Die IDD

Nach einer Veranstaltung im Deutschen Architekturmuseum am 15 Januar 2023 gründen Willy Bredel, Konrad Götz, Cordula Kähler, Daniel Keppel und Norbert Saßmannshausen die Initiative Dondorf Druckerei (IDD). Später kommen weitere Mitglieder hinzu.

Die Aufgabe, die sich die Initiative stellt, ist die Rettung des historischen Gebäudes. Seine für Frankfurt und Bockenheim wichtigste Geschichte soll erzählbar bleiben.

Als erste Aktivität werden die damaligen Abrisspläne des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) publiziert.

Damit entsteht ein gewisser Druck und der Ortsbeirats 2 führt in der ‚Neuen Mensa‘ eine öffentliche Sitzung durch.

Dank der Kompetenz anwesender Architekt*innen und des Protests stadtteilaktiver Menschen, scheitert das MPIEA mit dem Versuch, seine Pläne zu legitimieren. Im Gegenteil: es kommen immer neue Argumente zur Erhaltung des Gebäudes hinzu. Die Architects for Future argumentieren: Ein Abriss und ein Neubau seien wegen der verschwendeten grauen Energie klimaschädlich. Und das Kollektiv ‚Druckerei für alle‘ fordert, das Gebäude solle als nichtkommerzielles Kulturzentrum zur Verfügung gestellt werden.

Die IDD startet nun eine zielgruppenspezifische Kampagne zur Ansprache der Stadtöffentlichkeit. Die dabei verwendeten Argumente können auf der Homepage der IDD nachgelesen werden (Link).

Beim Sommerfest des Kuturcampus am 24. April 2023 wird das Gebäude besetzt. Dem solidarischen Teil der Frankfurter Zivilgesellschaft wird es so ermöglicht, die Räumlichkeiten der Dondorf-Druckerei zu besichtigen und den Zustand zu beurteilen. Nach 19 Tagen wird die Besetzung durch die Polizei beendet. Der Universitätspräsident lässt Fenster und Türen zumauern.

Das hindert das Besetzer*innen-Kollektiv nicht daran, den Backsteinbau ein zweites Mal zu okkupieren. Mit der Inbesitznahme auch des Daches und dessen Räumung im Dezember 2023 wird die Auseinandersetzung bundesweit bekannt.

Das MPIAE zieht jetzt sein Interesse an dem Grundstück zurück.

Nach den Wahlen in Stadt und Land entstehen neue Regierungsmehrheiten und es wird eine erfreuliche politische Entscheidung getroffen: Die Schirn soll – solange die Kunsthalle am Römerberg saniert wird – das historische Fabrikgebäude als Interimsort nutzen.

Auch für die Zeit danach bleibt es Ziel der IDD, das Bestandsgebäude zu erhalten und für eine gemeinwohlorientierte Nutzung zur Verfügung zu stellen. Das ist im Moment durch die Bereitstellung des 2.OG (Link) an Initiativen und Institutionen aus Bockenheim gesichert.

Aber die Erhaltung steht auf wackeligen Füßen. Die politischen Mehrheiten könnten sich wieder ändern. Neue Akteure, aktuell z.B. eine abrissfreundliche Initiative, treten auf den Plan. Aber die Geschichtsinitiativen Bockenheims lassen sich nicht beirren. Sie leisten weiter historische Erinnerungsarbeit und Forschung. Neben der IDD sind das die Freunde Bockenheims e.V. (link), das Archiv der Revolte e.V. (Link) und der Studienkreis Deutscher Widerstand e.V. (Link). Sie kooperieren mit der Route der Industriekultur (Link).

Die Arbeit, die sie leisten, ist kein Selbstzweck. Aus Geschichte soll gelernt werden. Wenn heute wieder Antisemitismus und ethnisch begründeter Rassismus hoffähig werden und wenn mit den Begriffen Deportation und Remigration gespielt wird, dann gilt es, nicht ängstlich in Ritualen des ‚Erinnerungstheaters‘ (Max Czollek) zu verharren, sondern in aller Klarheit, aus den historischen Prozessen einer zunächst schleichenden Machtübernahme durch Rassisten zu lernen und Ähnliches zu verhindern.

Zugleich machen es die gemeinschaftlich nutzbaren Räume im 2.OG möglich, gute Gespräche über die künftige Entwicklung des Kulturcampus zu führen und Impulse in die Partizipationsprozessen der Stadtteilentwicklung einzubringen. [10.3.2026)

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